Sony hat mit dem FE 100–400 mm f/5,6–8 OSS ein neues, vergleichsweise günstiges Supertele für das E‑Mount-System vorgestellt. Mit einem Preis von rund 899 Euro in Europa und einem Gewicht von nur etwa 654 g positioniert sich das Objektiv klar unterhalb der G- und GM‑Linsen und richtet sich an Foto- und Video-Creator, die Reichweite wollen, aber weder Budget noch Rücken für die dicken Teleboliden haben.
Technische Daten im Überblick
- Brennweite: 100–400 mm (Vollformat), ca. 150–600 mm an APS‑C
- Lichtstärke: f/5,6–8 (f/5,6 bei 100 mm, f/8 bei 400 mm)
- Gewicht: ca. 654 g
- Länge/Durchmesser: ca. 164,5 mm × 78,2 mm
- Filtergewinde: 67 mm
- Optischer Aufbau: 15 Elemente in 10 Gruppen, u. a. 2 ED‑Elemente und 2 asphärische Elemente
- Bildstabilisator: Optical SteadyShot (OSS), in Kombination mit IBIS nutzbar
- Naheinstellgrenze: 0,86–1,13 m, max. Abbildungsmaßstab 0,41× – ordentlich für Telemakro
- AF: Linear-Motor‑Autofokus, optimiert für Foto und Video
- Telekonverter: kompatibel mit 1,4× und 2,0× (bis 800 mm, dann extrem lichtschwach)
- Schalter: AF/MF‑Schalter mit integriertem Fokuslimiter (∞–3 m)
Preislich liegt das Objektiv bei ca. 849 USD in den USA und 899 EUR in Europa, Marktstart ist für Ende August 2026 angekündigt.
Zielgruppe: Für wen ist das 100–400 mm gedacht?
Sony adressiert mit diesem Objektiv ganz klar die breite Masse: Einsteiger:innen in Wildlife, Sport und Outdoor, aber auch Reise‑Fotograf:innen, die möglichst viel Brennweite bei minimalem Gewicht und moderaten Kosten suchen. Für viele Alpha‑User, die bisher mit 70–300er Zooms oder einem 70–200 + Crop arbeiten, könnte das 100–400 mm f/5,6–8 der erste „richtige“ Schritt ins Supertele sein.
Auch Hybrid‑Shooter profitieren: Das geringe Gewicht, die kompakte Bauweise, OSS und Linear-AF passen gut zu aktuellen Bodys wie a7 IV, a7C II, FX30 oder a7R V/VI. Gerade für Gimbal‑ oder Monopod‑Setups ist ein 654‑g‑Tele eine interessante Ansage.
Stärken: Kompakt, leicht, bezahlbar
Die drei größten Pluspunkte des Sony FE 100–400 mm f/5,6–8:
- Gewicht & Größe: Mit rund 654 g ist es deutlich leichter als das Sigma 100–400 mm (ca. 1.140 g) oder das Tamron 50–400 mm (ca. 1.155 g) und spielt schon fast in einer eigenen Mobilitätsliga.
- Preis: Mit ~899 Euro UVP ist es Sonys erstes Vollformat‑Supertele unter 1.000 Euro – für viele Hobbyfotograf:innen überhaupt erst der Einstiegspunkt ins 400‑mm‑Segment.
- Naheinstellgrenze & Vergrößerung: Bis zu 0,41× bei unter 1 m Naheinstellgrenze machen das Objektiv auch für Detail‑ und Telemakro‑Shots wie Blumen, Insekten oder Produktdetails spannend.
Für Reisen, Wanderungen oder Safaris, wo Gewicht und Budget vor absoluter Lichtstärke stehen, ergibt das Paket auf dem Papier durchaus Sinn.
Schwäche Nr. 1: Die Lichtstärke – f/8 tut weh
Der offensichtlichste Kompromiss sitzt in der Lichtstärke: Bereits ab rund 200 mm ist man bei f/8, und bei 400 mm eben konstant f/8. Das hat gleich mehrere praktische Folgen:
- Weniger Spielraum bei der Verschlusszeit: Für Wildlife oder Sport brauchst du oft 1/1000 s oder schneller – mit f/8 klettert der ISO sehr schnell, gerade in Wald, bedecktem Himmel oder der Dämmerung.
- AF‑Leistung in Low Light: Erste Tests deuten an, dass der Autofokus je nach Kameramodell bei schlechterem Licht merklich an Sicherheit verliert, insbesondere wenn man im 300–400‑mm‑Bereich unterwegs ist.
- Telekonverter praktisch nur bei Sonne nutzbar: Mit 1,4×‑Konverter landest du bei effektiv 140–560 mm f/8–11, mit 2×‑Konverter sogar bei 200–800 mm f/11–16 – das ist auf dem Papier zwar „beeindruckend“, in der Praxis aber nur bei sehr guten Lichtbedingungen ernsthaft nutzbar. Von Bokeh kann dann kaum noch die Rede sein…
Wer ernsthaft Vögel im Flug, Indoor‑Sport oder Wildlife in der Dämmerung fotografieren will, wird mit f/8 am langen Ende ziemlich schnell an physikalische Grenzen stoßen – unabhängig davon, wie gut der Sensor der Kamera performt.
Schwäche Nr. 2: Bildqualität am langen Ende
Erste Reviews weisen darauf hin, dass die Auflösungsleistung am langen Ende nicht unbedingt ihren Sweet-Spot hat.
Konkurrenz: Sigma 100–400 mm f/5–6,3 DG DN OS
Ein direkter Konkurrent ist das Sigma 100–400 mm f/5–6,3 DG DN OS Contemporary für Sony E.
- Brennweite: 100–400 mm f/5–6,3
- Gewicht: ca. 1.140 g (Sony E)
- Filtergewinde: 67 mm
- Preis: um 900–1.000 Euro, je nach Markt und Händler
Der große Unterschied liegt in der Lichtstärke: Das Sigma bietet f/6,3 am langen Ende, statt f/8 – das sind ca. 2/3 bis 1 EV mehr Licht, was bei 1/1000 s, ISO 6400 vs. ISO 12.800 in der Praxis deutlich spürbar ist.
Dafür bringt das Sigma fast das Doppelte an Gewicht mit und ist deutlich voluminöser. Für Nutzer:innen, die primär aus der Hand, mit Monopod oder längeren Sessions arbeiten und für die Low‑Light‑Performance wichtiger ist als jedes Gramm, bleibt das Sigma ein sehr attraktives Paket.
Konkurrenz: Tamron 50–400 mm f/4,5–6,3 Di III VC VXD
Noch spannender wird der Vergleich mit dem Tamron 50–400 mm f/4,5–6,3 Di III VC VXD (A067), das sich als „8×‑Allroundzoom“ positioniert.
- Brennweite: 50–400 mm f/4,5–6,3 – also deutlich mehr “Weitwinkel” am kurzen Ende
- Gewicht: ca. 1.155 g (Sony E)
- Filtergewinde: 67 mm
- Naheinstellgrenze: 24,9 cm bei 50 mm, max. Vergrößerung 0,5×, 0,25× bei 400 mm – extrem flexibel für Nahaufnahmen.
- Preis: UVP um 1.299 Euro, real im Handel teils etwas darunter
Das Tamron ist damit eher ein „Immerdrauf“ für Tele-Fans: Von 50 mm für Reportage und Street bis 400 mm für Wildlife deckt es einen riesigen Bereich ab, ist lichtstärker als das Sony (f/6,3 vs. f/8) und bietet hervorragende Nahdistanz‑Fähigkeiten.
Die Kehrseite: Mit über 1,1 kg und größerem Volumen ist es deutlich schwerer als das neue Sony‑Zoom, und preislich liegt es eine Klasse höher.
Interne Konkurrenz: Sony 70–300 G und 100–400 GM
Innerhalb des Sony‑Ökosystems muss sich das FE 100–400 mm f/5,6–8 auch gegenüber bestehenden Linsen behaupten.
Sony FE 70–300 mm f/4,5–5,6 G OSS
- Brennweite: 70–300 mm f/4,5–5,6
- Gewicht: ca. 854 g
- UVP / Marktpreis: um 800–1.200 Euro, aktuell eher im mittleren dreistelligen Bereich zu finden
Das 70–300 G ist lichtstärker, aber kürzer, schwerer und teurer als das neue 100–400 mm. Für viele dürfte die zusätzliche Reichweite auf 400 mm bei gleichzeitig geringerem Gewicht und attraktiverem Preis ein starkes Argument für das neue Objektiv sein.
Sony FE 100–400 mm f/4,5 GM OSS (neue Version)
- Brennweite: 100–400 mm konstant f/4,5
- Gewicht: ca. 1.840 g
- Preis: etwa 4.300–5.000 Euro, je nach Markt
Das GM spielt in einer völlig anderen Liga: Profi‑Tele mit konstanter, deutlich höherer Lichtstärke, interner Zoomkonstruktion, massivem Gehäuse und entsprechendem Preis. Wer so ein Setup ernsthaft braucht, ist sowieso nicht die Zielgruppe des 899‑Euro‑Teles – das neue 100–400 mm f/5,6–8 ist eher der Einstieg vor dem großen Upgrade.

Für wen lohnt sich welches Objektiv?
Eine grobe Einordnung:
- Sony FE 100–400 mm f/5,6–8 OSS
- Für: Budget‑bewusste Wildlife‑Einsteiger, Reisefotograf:innen, Content‑Creator, die viel laufen und leichtes Gepäck schätzen.
- Contra: f/8 am langen Ende, eingeschränkte Low‑Light‑Tauglichkeit und begrenzte Reserven zum Croppen.
- Sigma 100–400 mm f/5–6,3 DG DN OS
- Für: Nutzer:innen, die Reichweite und bessere Lichtstärke priorisieren und mit rund 1,1 kg leben können.
- Contra: Schwerer und größer, weniger angenehm als Leichtgewicht auf Tour.
- Tamron 50–400 mm f/4,5–6,3 Di III VC VXD
- Für: Foto‑ und Videograf:innen, die einen hochflexiblen 50–400‑mm‑Allrounder mit sehr guter Nahdistanzleistung suchen.
- Contra: Deutlich teurer und schwerer, dafür aber fast ein „Ein‑Objektiv‑Setup“.
Fazit: Spannendes Einsteiger‑Tele, aber mit klaren Grenzen
Das neue Sony FE 100–400 mm f/5,6–8 OSS ist Sonys bisher mobilstes und günstigstes Vollformat‑Supertele – und genau das ist sein Alleinstellungsmerkmal. Wer vor allem bei gutem Licht unterwegs ist, seine Ausrüstung möglichst leicht halten möchte und ein begrenztes Budget hat, bekommt hier ein spannendes Werkzeug für Wildlife, Sport am Tag, Zoo, Safaris und Outdoor‑Events.
Die Kehrseite: f/8 ab ~200 mm, begrenzte Tele‑Schärfe und mäßige Telekonverter‑Tauglichkeit setzen dem Objektiv klare Grenzen – vor allem für ambitionierte Wildlife‑ oder Action‑Fotograf:innen, die häufig in der Dämmerung oder bei schlechtem Licht arbeiten. In der direkten Konkurrenz mit Sigma 100–400 und Tamron 50–400 wird das Sony vor allem über Gewicht, Kompaktheit und Preis, nicht über Performance, punkten.
