OM SYSTEM PEN: Olympus’ kultige Kamera ist zurück

Mit der neuen OM SYSTEM PEN kehrt eine der bekanntesten Kameraserien der Olympus-Geschichte zurück – diesmal allerdings erstmals vollständig unter dem Namen OM SYSTEM. Die kompakte Micro-Four-Thirds-Kamera verbindet klassisches PEN-Design mit elektronischem Sucher, Bildstabilisierung und zahlreichen Funktionen aus der Computational Photography. Der Preis von 999 Euro macht sie zudem zu einer der interessantesten Neuheiten für Einsteiger und ambitionierte Fotografen.

Retro-Design trifft moderne Technik

Die neue PEN richtet sich nicht an Sportfotografen oder professionelle Videoproduzenten. Vielmehr möchte OM SYSTEM eine Kamera anbieten, die man gerne mitnimmt und im Alltag tatsächlich benutzt. Das Gehäuse erinnert mit seiner flachen Bauform und dem Sucher an klassische Messsucherkameras, bleibt mit rund 393 Gramm inklusive Akku und Speicherkarte aber angenehm leicht.

Erhältlich ist die Kamera in Schwarz und Silber. Trotz des hochwertigen Erscheinungsbildes besteht das Gehäuse allerdings aus Kunststoff. Das ist einer der Kompromisse, den OM SYSTEM zugunsten des niedrigen Gewichts und des vergleichsweise günstigen Preises eingeht.

Optisch wirkt die PEN dennoch deutlich hochwertiger, als es der Preis vermuten lässt. Der integrierte OLED-Sucher mit 2,36 Millionen Bildpunkten ist gerade für Street-, Reise- und Available-Light-Fotografie ein großer Vorteil. Frühere PEN-Modelle mussten teilweise vollständig über das Display bedient werden – bei der neuen Generation gehört dieser Kompromiss der Vergangenheit an – wir finden das absolut lobenswert, denn eine Kamera ohne dedizierten Sucher ist irgendwie Murks. Danke OM System!

Bewährter Sensor statt Technik-Feuerwerk

Beim Sensor setzt OM SYSTEM auf einen bekannten 20,4-Megapixel-Live-MOS-Sensor im Micro-Four-Thirds-Format. Einen modernen Stacked-Sensor, wie er beispielsweise in höher positionierten OM-SYSTEM-Modellen zum Einsatz kommt, gibt es nicht.

Das ist angesichts der Zielgruppe jedoch nachvollziehbar. Die PEN soll keine Hochgeschwindigkeitskamera für professionelle Sport- oder Actionaufnahmen sein, sondern eine kompakte Alltagskamera für bewussteres Fotografieren. Ein Stacked-Sensor hätte den Preis vermutlich deutlich erhöht, ohne für die meisten Käufer einen entscheidenden Mehrwert zu bieten. Dennoch wäre hier ein leichtes Upgrade natürlich gern gesehen…

Technische Daten (Auszug):

  • 20,4 Megapixel Auflösung.
  • Micro-Four-Thirds-Bajonett mit zweifachem Crop-Faktor.
  • 5-Achsen-Bildstabilisierung.
  • Bis zu 5,5 Blendenstufen Stabilisierung in der Bildmitte.
  • Bis zu 4,5 Blendenstufen am Bildrand.
  • ISO 200 bis 6.400, erweiterbar auf ISO 64 und ISO 25.600.

Damit eignet sich die PEN auch für Aufnahmen bei weniger Licht. In Kombination mit einem lichtstarken Objektiv lassen sich beispielsweise Innenräume, Abendstimmungen oder nächtliche Straßenszenen aus der Hand fotografieren.

Autofokus für Alltag und Reise

Für die Fokussierung verwendet OM SYSTEM einen Hybrid-Autofokus mit 121 Kreuzsensor-Phasenmessfeldern. Eine Motiverkennung unterstützt die Erkennung von Menschen, Hunden und Katzen. Zusätzlich ist ein spezieller Starry-Sky-AF für Sternenhimmel-Aufnahmen integriert.

Die Serienbildleistung reicht von rund fünf Bildern pro Sekunde mit mechanischem Verschluss bis zu 30 Bildern pro Sekunde mit elektronischem Verschluss. Allerdings gibt es dabei eine wichtige Einschränkung: Die 30 Bilder pro Sekunde funktionieren ohne kontinuierliche AF- und Belichtungsnachführung. Mit AF-Nachführung sind bis zu 7,4 Bilder pro Sekunde möglich.

Damit ist die PEN für gelegentliche Bewegungsaufnahmen gut gerüstet, aber nicht als ausgewiesene Actionkamera gedacht.

Computational Photography im kompakten Gehäuse

Besonders spannend ist die umfangreiche Ausstattung mit Rechenfunktionen. OM SYSTEM übernimmt zahlreiche Technologien, die man bisher vor allem aus größeren und teureren Modellen kennt.

Der High-Res-Shot-Modus erzeugt zusammengesetzte Bilder mit 50 Megapixeln – sowohl vom Stativ als auch aus der Hand. Für Architektur, Landschaften, Produktfotografie oder Reproduktionen kann das einen sichtbaren Detailgewinn bringen. Bewegte Motive sind für diesen Modus allerdings nur eingeschränkt geeignet, da mehrere Einzelaufnahmen miteinander kombiniert werden.

Weitere Funktionen sind:

  • Live ND mit vier Stufen von ND2 bis ND16.
  • Focus Stacking und Focus Bracketing mit bis zu 999 Aufnahmen.
  • HDR-Aufnahmen.
  • Mehrfachbelichtungen.
  • Live Bulb.
  • Live Time.
  • Live Composite.
  • Pro Capture.

Gerade Live Composite ist eine der Besonderheiten des Olympus- und OM-SYSTEM-Ökosystems. Langzeitbelichtungen lassen sich dabei direkt auf dem Display beobachten, während sich Lichtspuren oder die Bewegung des Himmels Schritt für Schritt aufbauen.

Damit diese Funktionen nicht in den Tiefen des Menüs verschwinden, spendiert OM SYSTEM der PEN eine eigene CP-Taste. Zusätzlich befindet sich an der Vorderseite ein Schalter für den direkten Zugriff auf Farb- und Monochromprofile.

Das neue Kitobjektiv

Zusammen mit der Kamera erscheint das überarbeitete M.Zuiko Digital 14–42 mm F3.5–5.6 III. Mit seiner kleinbildäquivalenten Brennweite von 28 bis 84 Millimetern deckt es den klassischen Bereich für Alltag, Reise, Landschaft und Porträts ab.

Eine wichtige Neuerung ist der Staub- und Spritzwasserschutz nach IPX1. Erst zusammen mit diesem Objektiv kann die PEN ihren beworbenen Wetterschutz vollständig ausspielen. Wer die Kamera mit einem nicht abgedichteten Objektiv verwendet, sollte bei Regen entsprechend vorsichtig sein.

Auch die Nahaufnahmeleistung wurde verbessert:

  • Naheinstellgrenze von 13 Zentimetern im Weitwinkelbereich.
  • Maximale Vergrößerung von 0,53-fach bezogen auf Kleinbild.
  • Motive können aus ungefähr vier Zentimetern vor der Frontlinse aufgenommen werden.
  • Unterstützung für Focus Stacking.

Das Objektiv ist besonders interessant für Käufer, die eine möglichst kleine und unkomplizierte Kombination suchen. Wer mehr Freistellung oder bessere Low-Light-Leistung benötigt, kann später auf lichtstarke Festbrennweiten aus dem umfangreichen Micro-Four-Thirds-System wechseln.

Video: solide, aber nicht im Mittelpunkt

Videoaufnahmen sind möglich, aber die PEN ist klar als Fotokamera positioniert. Sie nimmt C4K mit 24 Bildern pro Sekunde und 4K mit bis zu 30 Bildern pro Sekunde auf. In Full HD sind bis zu 60 Bilder pro Sekunde möglich, während Zeitlupenaufnahmen mit bis zu 120 Bildern pro Sekunde angeboten werden.

Für ambitionierte Videofilmer sind OM-Log400 sowie die Profile OM-Cinema1 und OM-Cinema2 interessant. Auch vertikale Videoaufnahmen und eine Aufnahmelampe an der Vorderseite gehören zur Ausstattung.

Der 3,5-Millimeter-Mikrofoneingang ermöglicht den Anschluss eines externen Mikrofons. Ein Kopfhöreranschluss fehlt jedoch. Hinzu kommen die Einschränkungen eines einzelnen UHS-I-SD-Kartensteckplatzes sowie USB-C mit USB-2.0-Geschwindigkeit. Für gelegentliche Reisevideos, Social-Media-Clips und Vlogs ist die Ausstattung ausreichend, professionelle Videoworkflows werden jedoch nicht die eigentliche Stärke der Kamera sein.

Preis und Einschätzung

Die OM SYSTEM PEN kommt am 1. Oktober 2026 in den Handel. Die Preise liegen bei:

  • 999 Euro für das Kameragehäuse.
  • 1.099 Euro im Kit mit dem M.Zuiko Digital 14–42 mm F3.5–5.6 III.
  • 399 Euro für das Kitobjektiv als Einzelkauf.

Der Aufpreis von lediglich 100 Euro für das Kit ist sicherlich besonders attraktiv. Wer noch kein passendes Micro-Four-Thirds-Objektiv besitzt, dürfte mit dem Set die sinnvollste Einstiegslösung erhalten.

Die Kamera ist dabei weder eine direkte Neuauflage der PEN E-P7 noch eine moderne PEN-F. Sie verfolgt vielmehr einen eigenen Ansatz: kompakte Abmessungen, klassisches Design, einfache Bedienung und überraschend viele kreative Funktionen. Abstriche gibt es beim Kunststoffgehäuse, beim älteren Sensor, beim UHS-I-Kartensteckplatz und bei der eher durchschnittlichen Videoausstattung.

Fazit

Die neue OM SYSTEM PEN ist eine Kamera für Menschen, die wieder bewusster fotografieren möchten, ohne eine schwere Systemkamera mit sich herumzutragen. Sie kombiniert den Charme einer klassischen PEN mit einem integrierten Sucher, effektiver Bildstabilisierung, Motiverkennung und modernen Computational-Photography-Funktionen.

Besonders überzeugend ist das Gesamtpaket aus Design, Gewicht, Sucher und Funktionsumfang. Für Street Photography, Reisen, Familienfotos und kreative Alltagsaufnahmen könnte die PEN eine sehr angenehme Begleiterin werden. Wer dagegen maximale Geschwindigkeit, höchste Videoqualität oder ein besonders robustes Metallgehäuse benötigt, sollte sich eher bei den höher positionierten OM-SYSTEM- oder anderen spiegellosen Kameras umsehen.

Unterm Strich ist die OM SYSTEM PEN eine charmante und eigenständige Neuerscheinung – und möglicherweise genau die Art Kamera, die man nicht nur besitzt, sondern tatsächlich regelmäßig mitnimmt. Die technischen Angaben und Preise basieren auf der Vorstellung von OM SYSTEM und den veröffentlichten Produktinformationen.

Wo seht ihr die neue PEN? Lasst es uns in den Kommentaren wissen

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