Vor wenigen Tagen hat Honor eine Partnerschaft mit ARRI angekündigt: künftig soll die so genannte „ARRI Color Science“ bzw. „Image Science“ in die Smartphone‑Kameras von Honor einfließen. Klingt nach Cinematic‑Look in der Hosentasche – aber ist das nur hübsches Marketing oder steckt wirklich ein brauchbarer Technologietransfer dahinter?
Was ARRI eigentlich mitbringt
ARRI ist seit Jahrzehnten ein zentraler Player im Profi‑Film‑Bereich: Alexa‑Kameras, LUTs, Farb‑Workflows und ein ganzes Ökosystem um Farb‑Management und Bildästhetik.
Die „Image Science“ umfasst mehr als nur ein festes Farb‑Look‑Profile; dahinter steckt ein ganzes Gedankengerüst zu Farbraum‑Konzepten, Farb‑Rendering, Schatten‑Dynamik, Highlight‑Handling und der Gesamt‑Aesthetik eines „Kinobildes“.
Wenn ARRI hier wirklich mitwirkt, geht es also nicht nur um ein „Look“ im Filtermenü, sondern um eine Einflussnahme auf die gesamte Bild‑Pipeline – zumindest auf gewünschte Weise: von der Sensor‑Ansteuerung bis zur Farb‑Engine im ISP‑Stack.
Was Honor damit treibt (und nicht treibt)
Honor kann natürlich keine Alexa‑Sensor‑Architektur in ein Smartphone pressen. Stattdessen geht es um eine Art abgespeckte Adaptation von ARRI‑Farb‑Philosophie auf kleinen Sensoren, stark komprimierten Optiken und massiv KI‑verarbeiteten Bildern.
Rein technisch bedeutet das plausiblerweise:
- Angepasste Farb‑Räume und Farb‑Kurven, die eher dem ARRI‑Look ähneln sollen.
- Spezielle Look‑Profiles (z.B. „Cinematic“, „Natural“, „Log‑ähnlich“), die sich an ARRI‑Farb‑Standards anlehnen.
- Evtl. eine bessere Kompatibilität zu ARRI‑Workflows in der Postproduktion – etwa in DaVinci Resolve oder Premiere, wenn man Farb‑Matrizen oder LUT‑Ansätze nutzen kann, die sich an ARRI‑Farb‑Konzepten orientieren.
Das ist keine „ARRI Camera in your Pocket“, aber durchaus mehr als nur ein neues Icon in der Kamera‑App.
Marketing vs. echte Substanz
Marketingtechnisch ist der Deal perfekt, denn:
- Honor bekommt eine starke Profi‑Marke im Rücken, die bei „Creator“-Kunden und ambitionierten Hobby‑Videografen sofort Respekt erzeugt.
- ARRI bekommt eine zusätzliche Monetarisierungs‑Schraube für sein Know‑how – ohne einen eigenen Consumer‑Kameraklon auf den Markt bringen zu müssen.
Substanzmäßig ist der Unterschied zur klassischen „Cinematic‑Kamera‑App“:
- Wenn ARRI wirklich eigene Farb‑Profiles, Farb‑Räume oder Look‑Pipelines liefert,
- und diese in der Firmware oder im ISP‑Stack eingebaut werden,
- dann spricht man von einem echten Color‑Transfer, auch wenn er stark vereinfacht ist.
Alles darüber hinaus – also zum Beispiel „ARRI‑Sensor“ oder „ARRI‑Optik“ – ist Marketing.
Daher ergeben sich daraus u.a. folgende Fragen:
- Wie konsistent ist der „ARRI‑Look“ im Video gegenüber anderen Smartphones?
- Wie gut lassen sich die Farben in DaVinci Resolve oder Premiere an ARRI‑Kameras anpassen, wenn du Farb‑Matrizen oder LUTs nutzt?
- Wie realistisch ist das „Log“‑Angebot des Smartphones für echte Workflows – oder ist es nur ein „Log‑Style“‑Filter, der mehr fürs Auge als für die Postproduktion da ist?
