RadioMaster T8L: Kann der “Neue” FPV Controller was oder sollte man lieber etwas mehr investieren?

FPV‑Funken werden immer komplexer – mehr Schalter, mehr Menüs, mehr EdgeTX‑Magie. Mit dem RadioMaster T8L geht der Hersteller den konträren Weg und bringt einen 35‑Dollar‑Sender, der bewusst vieles weglässt und damit vor allem Einsteiger und „Ich‑will‑einfach‑nur‑fliegen“‑Piloten anspricht. Gleichzeitig steht im eigenen Line‑up der RadioMaster Pocket, eine vollwertige EdgeTX‑Funke im Mini‑Format. Zeit für die Frage: Für wen lohnt sich der T8L – und ab wann solltest du lieber zum Pocket oder gar einer größeren Funke greifen?


Was der T8L wirklich ist (und was vielleicht auch nicht)

Der T8L wirkt optisch wie eine Mischung aus Gamepad und DJI RC, bleibt aber technisch bewusst schlicht.​
Unter der Haube finden sich folgende Specs:​

  • 2,4 GHz ExpressLRS bis 100 mW, interne Antenne, bis zu 10 Kanäle via CRSF.
  • Hall‑Gimbals mit vier Kugellagern, kurze Stickwege, Gewicht um 200 g.
  • Kein Display: Konfiguration erfolgt komplett über eine Web‑Oberfläche im Browser per USB‑C.
  • Funktioniert out‑of‑the‑box als USB‑Gamepad für FPV‑Simulatoren.​

Unter der Haube läuft EdgeTX, aber du siehst davon nichts: Das klassische Sender‑Menü fehlt, stattdessen klickst du dich durch das RadioMaster‑Web‑Interface und stellst dort Modelle, Mischungen, Schalter‑Logik und ELRS‑Settings ein. Die Idee dahinter: weniger Angst vor Menüs, weniger „EdgeTX‑Overkill“ beim ersten Kontakt mit FPV. Im Prinzip keine schlechte Sache, wenn auch etwas ungewohnt.
Auf der anderen Seite mag diese Zugänglichkeit für neue Piloten womöglich genau richtig sein da man sich auf das wichtigste beschränkt. Etwas Einarbeitungszeit und Willen sollte man dennoch mitbringen – denn das Hobby FPV rückt damit zwar näher in Richtung eines “DJI-Rundum-Sorglos-Paket” – ganz so einfach ist es letzten Endes aber doch nicht.


Pocket vs. T8L: Zwei Philosophien im ähnlichen Formfaktor

Der Radiomaster Pocket sieht auf den ersten Blick ähnlich kompakt aus, spielt funktional aber in einer anderen Liga.

AspektRadioMaster T8LRadioMaster Pocket
Firmware„verstecktes“ EdgeTX, Konfig nur via Web‑UI, kein Screen ​​Vollwertiges EdgeTX mit Screen und Menübedienung 
DisplayKeins, Status über LEDs/Beep ​​1,6″‑LCD, Telemetrie, OSD‑Konfig, Modelle direkt am Sender 
RF intern2.4 GHz ELRS bis 100 mW 2.4 GHz ELRS oder CC2500‑MPM, bis ca. 250 mW 
Externes ModulKeinsNano‑Bay für externe Module (z.B. Gemini, Crossfire) 
ZielgruppeEinsteiger, Sim‑Piloten, „immer‑dabei“‑Backup ​​Ambitionierte Piloten, Haupt‑Radio im Mini‑Format 

Kurz gesagt: Der T8L nimmt dir Komplexität ab, der Pocket gibt dir Kontrolle zurück.


Für wen lohnt sich der T8L?

Der T8L trifft erstaunlich genau eine Nische, die lange ziemlich schlecht bedient war: Ein Funke, die gut genug ist, ohne dich zu überfordern.​

Spannend ist der T8L für:

  • Komplette Einsteiger in FPV
    Wer gerade erste ELRS‑Whoops oder kleine 3–4″‑Quads kauft, will meist fliegen, nicht Mischlogiken und Kurven programmieren.​​
    Einfache Web‑Konfiguration, begrenzte Schalteranzahl und feste Struktur verhindern, dass du dir dein Setup „kaputt konfigurierst“.​
  • Simulator‑Piloten und „Sofa‑Training“
    Der T8L ist als USB‑Controller schnell am Rechner, ohne EdgeTX‑Profil‑Chaos und ohne extra Profile auf der Funke.​
    Wer mehrere Leute an FPV heranführen will (Workshops, Freunde), hat mit einem günstigen T8L einen robusten „Leih‑Sender“.​
  • Minimalisten und Backup‑Fans
    200 g, kompakt, keine abstehenden Antennen – der T8L ist perfekt als immer‑dabei‑Backup im Rucksack, falls die Haupt‑Funke ausfällt oder du einfach nur eine schnelle Park‑Session fliegen willst.
  • Wenn du bereits Controller mit 18650er Zellen fliegst
    Der T8L setzt wie der Pocket und viele größere Controller auf ausdauernde 2x 18650er Zellen – damit bietet sie etwa gegenüber einer Zorro deutlich bessere Laufzeiten und kann bei längeren Trips sinnvoll sein

Wo die Grenzen liegen:

  • 100 mW ELRS reichen für Whoops, Freestyle im Park und moderates Midrange, aber nicht für dedizierten Long‑Range oder ausgereizte Link‑Experimente.
  • Ohne Screen wird Telemetrie erst über Brille/Goggles oder externe Geräte sinnvoll; wer gerne am Sender selbst alles sieht, wird den Pocket deutlich attraktiver finden.
  • Das Handling ist aufgrund der “Joypad” Form womöglich nicht jedermann’s Sache – Pincher werden vermutlich weniger Freude haben.

Ab wann macht der Pocket (oder größer) mehr Sinn?

Der Pocket ist spannend, sobald du mehr als „nur fliegen“ willst – also spätestens dann, wenn du mehrere Modelle, Protokolle und komplexere Setups verwaltest.

Pocket statt T8L, wenn:

  • Du EdgeTX aktiv nutzen willst: benutzerdefinierte Mixer, Logik‑Schalter, Telemetrie‑Screens, Skripte, OSD‑Tuning direkt am Sender.
  • Du verschiedene Protokolle brauchst (z.B. ELRS + ältere FrSky‑BNFs mit CC2500‑Version).
  • Du extern skalieren möchtest: Nano‑Bay für stärkere ELRS‑Module oder Crossfire, falls du später Long‑Range ernst nimmst.
  • Du den Sender als einzige Haupt‑Funke planst und nicht nur als Backup.
  • Du eher Pincher statt Thumber bist. Der Pocket lässt sich gut für beide Typen an Piloten nutzen – der T8L ist eher für Thumber geeignet.

Noch eine Nummer größer (Boxer, TX16S & Co.) lohnt sich, wenn:

  • du regelmäßig Langstrecke fliegst, viele Modelle verwaltest oder professionelle Setups aufbaust und dabei Ergonomie, große Displays und mehr Schalter willst.
  • du Wert auf bessere Haptik bei Pinch‑Grip, größere Gimbals und mehr physische Bedienelemente legst.

Warum der T8L die beste (Zweit)-Funke sein könnte?

Der T8L ist weniger Konkurrenz für den Pocket , sondern eher dessen kleiner Bruder für all die Situationen, in denen du EdgeTX‑Power nicht brauchst, sondern einfach nur eine zuverlässige, günstige und überraschend durchdachte ELRS‑Funke.
Tatsächlich ist die T8L damit definitiv einen Blick Wert und könnte sich für manchen Outdoor-Einsatz etablieren oder eben als Backup Funke im Rucksack liegen, allein schon die Nutzung von mittlerweile weit verbreiteten 18650er Akkus machen ihn umso attraktiver.
Allein Aussagen zur Langlebigkeit und generell zur Build-Qualität sind aktuell noch schwer einzuschätzen – dennoch wird er wohl auch bei uns auch als Backup einziehen – oder vielleicht sogar den Pocket verdrängen…?

Was haltet ihr vom neuen Controller aus dem Hause Radiomaster? Wurde hier zuviel wegrationalisiert oder bekommt man möglicherweise den Sweet-Spot eines Controllers zum fairen Kurs?

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