Solidon3D passt STL-Dateien ohne CAD-Kenntnisse an

Wer fertige 3D-Modelle von MakerWorld, Printables oder anderen Plattformen herunterlädt, kennt das Problem: Das Modell sieht interessant aus, passt aber nicht exakt zur eigenen Anwendung. Ein Loch ist zu klein, eine Wand zu dünn oder eine Aufnahme sitzt an der falschen Stelle. Die Desktop-Software Solidon3D will solche Änderungen ermöglichen, ohne dass Anwender ein vollständiges CAD-Programm beherrschen müssen.

Solidon3D stammt von Robert Schneider und konzentriert sich auf die nachträgliche Anpassung bereits vorhandener STL-Dateien. Statt ein Modell komplett neu zu konstruieren, erkennt die Software typische Elemente wie Löcher, Taschen und Wandstärken. Diese Merkmale lassen sich auswählen und anschließend über konkrete Zahlenwerte verändern.

Eine Wand kann beispielsweise von 2,4 auf 3,6 Millimeter verstärkt werden. Die nachfolgenden Bereiche wie Aushöhlungen, Deckel, Bohrungen oder Passungen werden anschließend automatisch neu berechnet. Dadurch soll die Änderung nicht zu einem fehlerhaften Mesh führen, wie es bei vielen einfachen STL-Bearbeitungswerkzeugen passieren kann.

Vier Wege zum fertigen Modell

Die Software bietet laut Entwickler vier unterschiedliche Arbeitsweisen. Der erste Ansatz bearbeitet bestehende Modelle anhand erkannter Merkmale. Der zweite arbeitet mit Maßangaben und vorgefertigten Bausteinen, etwa für Mutternsitze, Gewindeeinsätze, Gewinde oder Scharniere.

Zusätzlich kann Solidon3D Geometrie aus Text- und Bildeingaben erzeugen. Für organische oder schwer bemaßbare Formen stehen sechs digitale Pinsel zur Verfügung. Zu dünne Bereiche werden dabei als Zahlenwert angezeigt, sodass sich problematische Stellen vor dem Druck gezielt korrigieren lassen.

Die Änderungen werden nicht-destruktiv als Operationshistorie gespeichert. Jeder Arbeitsschritt bleibt somit nachträglich veränderbar. Insgesamt umfasst der Katalog laut Anbieter 86 Operationen, 40 Normteilgrößen, 16 Druckerprofile und neun Beispielprojekte.

Prüfung vor dem Slicer

Vor dem eigentlichen Slicing kann Solidon3D das Modell auf typische Druckprobleme untersuchen. Der Prüfbericht weist unter anderem auf offene Kanten, umgedrehte Normalen, zu dünne Wände und fehlende Einheitenangaben hin. Die Ergebnisse werden in Fehler, Warnungen und Hinweise gegliedert. Ein Klick auf einen Eintrag soll direkt zur betroffenen Stelle im Modell führen.

Eine zusätzliche Schichtanalyse prüft Überhänge, Inseln, Brückenlängen und das voraussichtliche Stützvolumen. Passungen basieren auf einem Materialprofil und einer einmalig auszudruckenden Kalibrierleiter. Auch größere Modelle lassen sich über eine einzelne Operation teilen, wobei Solidon3D automatisch Stifte, Löcher und passende Verbindungen anlegt.

Ein vollwertiger Slicer ist die Anwendung allerdings nicht. Solidon3D kann G-Code eines externen Slicers zur Gegenprüfung einlesen, übernimmt aber nicht dessen vollständigen Funktionsumfang.

Optionale KI-Unterstützung

Die KI-Funktionen sind optional. Ein integrierter Chat kann natürliche Sprache in Bearbeitungsschritte übersetzen. Die eigentliche Geometrie soll jedoch weiterhin über berechenbare Operationen und nicht durch eine unkontrollierte Bildgenerierung entstehen.

Für die KI kann ein eigener API-Schlüssel verwendet werden. Alternativ ist laut Beschreibung ein lokaler Betrieb über Ollama möglich. Dafür wird ein Modell mit ungefähr 14 Milliarden Parametern und eine Grafikkarte mit 16 GB Grafikspeicher empfohlen. Die übrigen Funktionen laufen ohne KI, Benutzerkonto und Internetverbindung.

Die Entwickler weisen darauf hin, dass generierte Netze keine Maßgarantie bieten. Für technisch relevante Bauteile sollten Maße, Toleranzen und Passungen deshalb weiterhin kontrolliert und gegebenenfalls praktisch getestet werden.

Die Demo ist bis zum 30. Oktober 2026 nutzbar. Danach startet sie nicht mehr, bestehende Projekte sollen jedoch erhalten bleiben. Die Vollversion kostet einmalig 69 Euro. Nach dem 31. Januar 2027 soll der Preis auf 99 Euro steigen.

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