Neun Jahre sind in Kamerazeiten eine kleine Ewigkeit. Die RX10‑Serie war lange Zeit Sonys Antwort an alle, die ein echtes „do‑it‑all“ Superzoom in einem handlichen Paket suchten: großes Tele, helle Optik und brauchbare Bildqualität ohne Objektivwechsel.
Mit der RX10 V bringt Sony die Reihe nun endlich zurück, doch stellt sich die berechtigte Frage:
Lohnt sich das Upgrade, oder bekommt der Käufer vor allem das Beste von gestern?
Was ist denn nun neu?
Sony hat der RX10 V ein teilweise aufgefrischtes Innenleben verpasst: ein schnellerer Bildprozessor und eine NPU/AI‑Unterstützung, ein deutlich aufgebohrtes AF‑System und erweiterte Video‑Funktionen. In der Praxis heißt das: Hoffentlich verlässlicheres Tracking bei bewegten Motiven, schnellere Serienaufnahmen und ein Video‑Workflow, der heute in semi‑professionellen Setups verlangt wird nebst 10‑Bit‑Aufzeichnung, S‑Log3‑/S‑Cinetone‑Profile und höheren Framerates für 4K.
Auch die Stromversorgung wurde modernisiert (größerer Akku) und das Gehäuse ergonomisch an aktuelle Alpha‑Modelle angelehnt; wer lange mit der Kamera arbeitet oder gar vom Vorgänger kommt, merkt das sicherlich sofort.
Was ist dann überhaupt das Problem und unsere Kritik an der V. Generation?
Wichtig zu verstehen ist: Sowohl Sensorgröße, der Bildwandler an sich und die effektive Auflösung bleiben auf dem Niveau der Vorgänger‑Philosophie (1‑Zoll Klasse, rund 20 MP) und quasi baugleich. Hier kann man also maximal von einem Facelift/Refresh sprechen was für den Hersteller mit der größten Sensor-Expertise ziemlich enttäuschend ist.
Auch das Zoomkonzept mit sehr großer Teleleistung bei f/2.4–4 wurde nicht radikal neu erfunden – sondern einfach vom Vorgänger übernommen.
Das mag für viele Anwender völlig genügend sein, aber für jene, die stärker auf maximale Auflösung, feinste Randleistung oder optische Korrekturen abzielen (Landschaft, Studio, Pixel‑Peeping), ist das eine klare Limitierung und wenig nachvollziehbar.
Sony hat offensichtlich viel Entwicklungsbudget in Prozessorik, AF‑Algorithmen und etwas Video gesteckt — weniger jedoch in eine neue optische Plattform an sich und versucht hier alten Wein in neuen…. na ihr wisst schon.
Doch damit nicht genug: Der kommunizierte Verkaufspreis von 2499€ erscheint angesichts dieser lauwarmen Suppe ziemlich beliebig gewählt und dürfte bei vielen potentiellen Käufern wohl eher zum Stirnrunzeln führen – so auch bei uns als wir das Preisschild zum ersten mal gelesen haben.
Für wen sich der Kauf vielleicht dennoch lohnt
- Nutzer die das All In One Package suchen… mit großem Zoombereich und brauchbarer BQ unter guten Lichtbedingungen. Ebenso Videografen, die in einem kompakten Gehäuse 10‑Bit, S‑Log und 4K‑Framerates benötigen, finden hier ein starkes Paket.
- Weniger sinnvoll: Wer primär Wert auf maximale Bildqualität legt, hin und wieder auch bei weniger Licht unterwegs ist oder bereits eine RX10 IV besitzt und selten die neuen Video‑Features nutzt, wird das Upgrade schwer rechtfertigen können — denn Optik und Sensorgröße sind nicht die großen Sprünge, die den Aufpreis erklären würden – im Gegenteil.

Fazit:
Die RX10 V ist kein kompletter Reinfall – oder sagen wir es anders: Zu einem anderen Preisschild wäre die Kamera kein Reinfall…
Sony liefert ein durchdachtes, modernes Werkzeug für genau definierte Anwendergruppen. AF, Videofunktionen, Ergonomie und Laufzeit sind klare Pluspunkte, die in der Praxis wirklich wirken. Gleichzeitig bleibt das optische Herzstück der Kamera nahe an der bisherigen Mark IV.
Fr spezialisierte Anwender (Event, Wildlife, Video‑Creator mit Bedarf an kompaktem Tele) ist die RX10 V ein mögliches Upgrade oder Kaufgedanke. Für Fotografen, die dagegen primär nach maximaler Bildqualität suchen, ist der Aufpreis allerdings mehr als schwer zu rechtfertigen und Neueinsteiger wird man mit der Kamera womöglich auch nicht unbedingt in Scharen anlocken.
Unser Eindruck geht daher in folgende These über: Sony hat gar kein allzu großes Interesse mehr in diesem Kamera-Segment der Super-Zoom Bridge Kameras und verbaut daher größtenteils Technik von damals die noch im Regal lag und etikettiert das ganze zu einem absurd hohen Preisschild.
Entweder finden sich tatsächlich ein paar gut betuchte ältere Herren die Interesse an der Kamera haben – oder das Ding wird zum absoluten Ladenhüter. Auch einen Hype wie man ihn bei so manch anderer Kamera in der Vergangenheit erleben durfte können wir uns bei der RX10 V mit dieser arg konservativen Neuauflage eigentlich kaum vorstellen.
Wie findet ihr die neue RX10 V und dessen Preisgestaltung? Seht ihr Potential in dieser Kamera?
Oder hat Sony nun endgültig die Bodenhaftung verloren? Eure Meinungen dazu würden uns interessieren!
