Wer gedacht hat, die große Frontline der Tech‑Branche läuft über KI‑Bots oder Chips, kennt offenbar noch nicht den wahren Kernkampf unserer Zeit: die chinesische Patent‑Fronterie zwischen DJI und Insta360. Eigentlich sollte es um 360‑Kameras, Action‑Cams und Drohnen gehen – aber mittlerweile ist jede neue Firmware‑Version eher ein juristisches Manöver als ein reiner Feature‑Drop.
DJI beschuldigt Insta360: „Die haben uns klau‑geklaut“
DJI hat vor einem Gericht in Shenzhen Klage gegen Insta360 und dessen Muttergesellschaft Arashi Vision eingereicht und wirft Insta360 vor, sechs zentrale Patente zu Steuerungslogik, Bildverarbeitung und Hardware‑Design ohne Lizenz zu nutzen. Übersetzt in verständliche, weniger formale Sprache:
„Da drüben arbeiten ein paar Leute, die früher bei uns waren – und plötzlich haben sie in wenigen Monaten ein Patent‑Portfolio, das bemerkenswert ähnlich klingt wie unsere alten Projekte.“
Besonders pikant: DJI beruft sich auf eine chinesische Regel, wonach Innovationen, die innerhalb von zwölf Monaten nach Verlassen des Unternehmens angemeldet werden, rechtlich dem früheren Arbeitgeber zustehen könnten. Klingt wie ein Achtsamkeits‑Workshop, nur mit weniger Yoga und mehr NDA‑Verträgen.
Insta360 kontert: „Wir erfinden selbst, wir listen nur falsch auf“
Insta360‑Gründer JK Liu weist die Vorwürfe rundheraus zurück und versichert, dass die fraglichen Technologien inhouse entwickelt wurden. Was DJI als „verdächtige Patente von Ex‑Mitarbeitern“ interpretiert, nennt Insta360 einfach Best‑Practice in China:
- Viele der angeblich riskanten Patente stammen aus Projekten, die nie in Massenprodukte umgesetzt wurden.
- Die bewusste Reduzierung von Personennamen in Patentanmeldungen dient laut Insta360 nicht der Geheimhaltung, sondern der Abwehr von Head‑Hunter‑Attacken auf eigene Entwickler.
Kurz gesagt: Was DJI als „Du hast unsere Ideen geklaut“ liest, sieht Insta360 als „Wir haben unsere eigenen Ideen, aber erklären sie nicht ausführlich genug im Patentrecht“.
Die andere Seite der Medaille: Insta360 beobachtet DJI
Spannend ist, dass Insta360 nicht nur der Angeklagte ist, sondern auch selbst eine recht spitzbeobachtende Patent‑Detektive‑Rolle einnimmt. Intern soll analysiert worden sein, dass DJIs Osmo‑360‑Kamera und bestimmte Drohnen‑Features in einem Bereich liegen, der potenziell gegen 28 Insta360‑Patente verstoßen könnte.
Insta360 hat dafür bisher keine offizielle Klage gestartet, vermute aber mal, dass die interne „Drohnen‑VS‑360‑Kamera‑Dossier‑Mappe“ schon ordentlich mit Notizen vollgekritzelt ist. Es ist wie ein klassischer, symmetrischer Innovations‑Nachahmungs‑Plot, nur eben mit mehr Patentnummern und weniger Action‑Szenen.
GoPro‑Flashback: Insta360 als Patent‑Kampf‑Held
Für all die, die sich noch fragen, ob Insta360 überhaupt genug Rückgrat hat, um so einen Rechtskampf zu führen:
- Vor der US‑ITC hat Insta360 gegen GoPro einen klaren Sieg errungen; viele Insta360‑Patente wurden dort als valide und nicht verletzt bestätigt.
- Das macht aus Insta360 weniger den „kleinen Nachahmer“ und eher den kleinen, aber zähen Patent‑Kämpfer, der sich mitten zwischen GoPro‑Groß‑Cases und DJI‑Mega‑Disputs durchkämpft.
Warum ist das für Drohnenpiloten und Tech-User interessant?
Aus Verbrauchersicht ändert sich die Technologie‑Welt nicht wesentlich dadurch, dass DJI und Insta360 jetzt gegeneinander klagt.
- Die Flugstabilisierung beruhigt dich weiterhin, ohne dir einen Anwalt mitzuschicken.
- Die 360‑Auto‑Edit‑Features machen deine Clips trotzdem kurzweilig, auch wenn sie formal „nicht patentkonform“ sind.
Zwischen Ironie und Respekt
Letztlich ist dieses DJI‑vs‑Insta360‑Patent‑Theater weniger ein moralischer „Wer ist der Böse“‑Kampf und eher ein klassischer Industrie‑Status‑Kampf in Mikro‑Kodierung:
- DJI als Marktführer testet, wie weit es in der eigenen Nachbarschaft spielen kann.
- Insta360 als kleinerer, aber sehr agiler Player zeigt, dass sie auch in internationalen Rechtsauffälligkeiten mitreden können.
