Ihr habt es vielleicht mitbekommen – aber auch kiekste.tv benötigt hier und da etwas Energie für den laufenden Betrieb 🙂
Entsprechend wollten wir unseren Fußabdruck dahingehend versuchen ein wenig zu optimieren und spielten schon länger mit dem Gedanken ein s.g. Balkonkraftwerk in Betrieb zu nehmen. Wohlgemerkt empfinden wir den Begriff etwas ungünstig gewählt – denn solch Kleinstkraftwerke sind natürlich nicht nur für Balkone geeignet sondern lassen sich prima auf so ziemlich allen Oberflächen montieren die tagsüber Sonne abbekommen… das kann neben dem Balkon auch die Garage, das Dach oder ganz banal ein Stück Gartenfläche sein – so wie in unserem Fall.
Natürlich gibt es ein paar Dinge zu beachten und Regulatorien einzuhalten – so ist die Einspeisung eines solchen Balkonkraftwerks aktuell gesetzlich auf max 800VA (oder auch 800W) durch den VDE geregelt und auch eine Registrierung der Anlage beim Marktstammdatenregister hat durch den Betreiber zu erfolgen. Wobei dieser Prozess relativ unkompliziert gestaltet ist.
Der Markt an Batteriespeicher-Systemen für kleine PV Anlagen ist mittlerweile relativ groß. Doch neben bekannten Herstellern wie Anker, Ecoflow oder auch Zendure gibt es mittlerweile auch einige spannende Hersteller die man womöglich noch nicht so sehr auf dem Schirm hat obwohl diese teilweise mit Features aus höheren Klassen zu überzeugen wissen.
Bei jener Recherche sind wir beim Hersteller Sunpura gelandet der mit dem S2400 Balkonkraftwerk-Speicher ein sehr spannendes Produkt in den Markt gebracht hat das an vielen Punkten Akzente setzt und sich funktional sogar von den Platzhirschen absetzen kann wie z.B. folgende Tabelle zeigt:
| Feature | Sunpura S2400 | Anker SOLIX 2 | Zendure SolarFlow 800 Pro |
|---|---|---|---|
| Kapazität (Basis) | 2,4 kWh | 1,6 kWh | 1,92 kWh |
| MPPT-Spannung | 10–100 V x2 | 16–60 V x2 | 12–60 V x4 |
| Off-Grid-Ausgang | 2400 W | 1200 W | 1000 W |
| Feuerlöschsystem | Aerosol | Nein | Nein |
| Zyklen | 8000 | 3000–6000 | 4000+ |
Wie man unschwer erkennen kann, bietet Sunpura hier in nahezu allen relevanten Punkten einen Mehrwert, insbesondere der weite Regelbereich der MPPT Spannungs-Regler ist in dieser Klasse einzigartig und erlaubt auch problemlos den seriellen Anschluss von 2 Modulen im Bereich 400-500W je MPPT.
Ausschlaggebend für uns war aber auch das Thema Sicherheit mit dem Sunpura in diesem Segment noch nahezu allein dasteht: Es gib ein integriertes Lösch-Aerosol welches brandhemmend wirken soll im Fall der Fälle und auch die beworbene Zyklenfestigkeit der sicheren LifePo4 überzeugte uns. Und die Garantie von 10 Jahren erscheint in dem Zusammenhang auch als vertrauenserweckend.
Das Grundsystem besteht beim S2400 aus zwei Elementen – der s.g. Power Box (oberer Teil) sowie der Battery Box (unterer Teil).
Die Power Box ist quasi das Gehirn und verwaltet die angedockten Batterieblöcke – wovon man maximal 4 verwenden kann und dadurch auf eine Speicherkapazität von 9,6kWh käme.

Das Design empfinden wir als elegant und modern – die Flexibilität und Modularität zudem als äußerst praktisch.
Allein das blinkende und pulsierende LED Licht haben wir relativ schnell abgeschaltet. So cool es zu Beginn auch ausschaut – so auffällig ist es eben auch im Dunkeln wenn das IP65 geschützte Gerät im Außenbereich platziert wird. Eine dimmbare Lichteinstellung wäre nach unserem Geschmack wünschenswert.
Wieviel Speicher ihr im Alltag benötigt hängt von vielen Faktoren ab weswegen eine Pauschalisierung hier nicht ganz so trivial ist. Dennoch kann man bereits mit der kleinsten Basis-Variante mit 2.4kWh Speicher die s.g. Grundlast für eine gewisse Zeit häufig abdecken oder zumindest massiv abmindern.
Moment Mal – was bitte ist die Grundlast fragst du dich vielleicht?
Ohne es allzu technisch darzustellen bezeichnet die Grundlast Eurer Wohnung/Hauses im Prinzip jenen Strom, der im Schnitt dauerhaft anliegt und vom Netz bezogen wird… dazu zählen alle Standby-Verbaucher aber auch Geräte wie der Kühlschrank, Telefon, Router, Netzwerk-Gedöns usw… auch Heizungen benötigen oftmals eine gewisse Menge an Strom.
Um diese Grundlast zu ermitteln könnt ihr entweder anhand eures Stromzählers entsprechend Werte ablesen und diese ausrechnen oder ihr verwendet intelligente Strom-Tracker.

In einer idealen Welt habt ihr im Stromkasten bereits ein solch intelligenten Zähler verbaut – doch die Realität ist aber oft eine andere.
Wer bereits einen digitalen Zähler nutzt – kann aber tatsächlich oftmals über optische Tracker wie den Ecotracker IR, Tibber und Co die Daten zur Last/Stromverbauch elegant per App auf dem Handy auslesen. Allerdings wird hierfür i.d.R. noch eine PIN vom Strombetreiber/Netzstellenbetreiber benötigt um den Zähler für diese Nutzung freizuschalten. Auch dieser Prozess ist alles andere als modern – die Zähler werden mit Lichtimpulsen (ja, wirklich!) oder steinzeitlich anmutenden Tastendruckbewegungen “freigeschaltet”. Dieser Prozess dient vermutlich der Abschreckung durch die Netzbetreiber 😉
Gehen wir also mal von einer nicht ganz abwägigen Grundlast von etwa 200W aus, so könnte man jene Last mit dem S2400 in der Theorie rund 12h abdecken… nun gibt es allerdings noch Wandlungsverluste und den Speicher sollte man auch nicht immer auf 0% leerziehen… bleiben also eher realistischere 10h Grundlast bei vollem Akku. Damit kann man bereits die Nacht überbrücken und mit der Morgensonne wieder beginnen den Speicher zu füllen. Nutzt man in dieser Zeit noch Geräte wie Herde, Geschirrspüler und Co verringert sich die nutzbare Bezugszeit aus dem Akku entsprechend.
Und genau das macht ein solches Kleinstkraftwerk im Alltag extrem spannend und sinnvoller als man womöglich denkt, denn je nach Nutzungsverhalten kann man das ganze noch deutlich strecken – sofern die Sonne mitspielt.
Das Sunpura S2400 bietet dafür verschiedene Arbeitsmodi – insgesamt 4 an der Zahl. Darunter gibt es auch KI gestützte Modi bei denen man dynamische Stromtarife einfließen lassen kann um Strom zu bestimmten Zeiten aus dem Netz zu beziehen.
Weiterhin gibt es auch einen klassisch zeitbasierten Modus – etwa wenn man täglich wiederkehrende Abläufe hat und entsprechende Zeitslots baut in denen man festlegt wie Energie gespeichert/abgegeben werden soll.
Und dann gibt es noch unseren Favoriten – den Eigenverbauchsmodus in Kombination mit einem Smart Meter. Sunpura selbst bietet solche für den Einbau im Stromkasten (durch den Elektriker) an – sie bieten aber auch Unterstützung für Drittanbieter wie Shelly oder den Ecotracker IR. Auch der Pulse von Tibber wird erwähnt – funktionierte bei uns aber nicht vollumfänglich weswegen wir den Ecotracker IR präferieren und an dieser Stelle auch die Kompatibilität mit dem Sunpura S2400 guten Wissens bestätigen können. Letzterer ließ sich zudem einfacher in der Snpura App einbinden als dies beim Tibber Pulse der Fall gewesen ist… der Ecotracker IR wurde mehr oder weniger automatisch erkannt – beim Tibber Pulse wollte das System noch Zugangsdaten als auch die IP des Gerätes wissen. Für Netzwerk-Laien ist das definitiv eine Stolperfalle, für IT-Interessierte aber vermutlich machbar.
Was bringt das nun konkret der Praxis und wie kompliziert ist der Aufbau und die Einrichtung?

Ehrlich gesagt: Einfacher als gedacht, zumindest wenn das eigene WLAN keine Zicken macht… Wir haben ein Mesh basiertes Wlan mit mehreren Satelliten was zu Beginn offenbar nicht so recht mit dem S2400 harmonieren wollte – nach einigem Hin, -und Her landete das System dann doch noch glücklich im lokalen Netzwerk. Ein Tipp: Idealerweise zur Einrichtung sowohl Smartphone als auch das Sunpura im 2.4 Netz anmelden… i.d.R. suchen sich die Geräte zwar selbst das “passende” Netz – aber ein dediziertes iot Netwerk mit 2.4 GHz only kann hier durchaus zielführend sie um jene Geräte sicher ins Netzwerk zu bekommen, insbesondere bei aufsgespannten Mesh-Systemen.

Eine Kleinigkeit sollte ebenfalls erwähnt werden: Die Einschaltreihenfolge von Power Box und Battery Box gilt es zu beachten um Fehlermeldungen beim Hochfahren des Systems zu vermeiden. Bedeutet: Zuerst die Battery Box(en) von unten nach oben Einschalten und zum Schluss die obere “Power Box”.
Zum Ausschalten dann genau anders herum – erst das Gehirn – anschließend die jeweils darunter liegenden Batterien. Wobei man diesen Prozess im Alltag nicht mehr benötigt wenn das System erst einmal in Gange ist. Steht aber auch alles in der Anleitung bzw. dem großen “Beipackzettel” welcher wirklich nicht zu übersehen ist.
Was benötigt man noch? Klar – ein paar PV Module, idealerweise bifazial und mit guter Energieausbeute, entsprechende MC4 Kabel sowie ggfs. eine Verlängerung falls das mitgelieferte 5m On-Grid Kabel zum Anschluss an die Haussteckdose nicht ausreichen sollte.

Wir haben hier 2x 450W Module aus dem Baumarkt im Einsatz – pro MPPT Eingang liegt exakt ein Modul auf. Allerdings wären auch zwei in Reihe pro MPPT in dieser Konstellation problemlos möglich da das System bis zu 100V Eingangsspannung akzeptiert, was keine Selbstverständlichkeit ist. Ein Ausbau auf insgesamt 4x 450W wäre also perspektivisch denkbar sofern es der räumliche Platz hergibt. Genau wie die Aufstockung des Basisspeichers jederzeit eine Überlegung Wert ist und man diese Karte nach Belieben spielen kann.
Wir testen aktuell noch in der 2.4kWh Grundkonfiguration – denken aber das die Aufstockung auf 4.8kWh Speicherkapazität womöglich der Sweet-Spot für unsere Zwecke darstellen könnte… das müssen wir in den kommenden Wochen genauer erörtern wie sich die Lade/Entladekurve in Richtung Sommer so entwickelt und wie wir über den Tag und die Nacht kommen.
Die Sunpura App ist dazu ein hilfreicher Begleiter – sie bietet ausreichend Informationen und eine gute Übersichtlichkeit. Hier und da kann man sicherlich noch Finetuning betreiben und die Usability optimieren – aber im Grunde bietet sie alle Infos die man benötigt zum Zustand des Akkus und wieviel Leistung rein oder auch über den Wechselrichter ins eigene Netz eingespeist wird.

So kann man tagsüber wunderbar die aktuell anliegende PV Leistung beobachten und in Kombination mit einem Smart Meter oder einem Tracker wie dem Ecotracker IR die Lastverteilung ansehen und steuern.
Durch den breiten Spannungsbereich arbeitet das System auch schon in den frühen Morgenstunden und nimmt Spannung aus den Panelen auf wo andere Speichersysteme teils noch nicht einmal aufwachen und deutlich mehr Anlaufstrom benötigen. All das sind Kleinigkeiten die man gern außer Acht lässt oder gar nicht auf dem Schirm hat – hier hat Sunpura die Hausaufgaben gemacht.
Wir sind jetzt nach den ersten Tagen bereits ziemlich begeistert von dem kleinen “Kasten”, denn der hat wirklich was drauf und zaubert uns ein Lächeln ins Gesicht. Durch die Ergänzung mit dem Ecotracker IR (oder einem anderen Smartmeter) macht das System umso mehr Sinn und passt sich adaptiv dem Geschehen und der entsprechenden Lastverteilung an – und regelt dann entsprechend bis 800VA nach sodass der Bezug vom Netz zu jedem Zeitpunkt massiv gesenkt werden kann.
Wer dann noch beginnt Großgeräte wie Waschmaschine, Geschirrspüler und Co sinnvoll zeitlich zu starten, etwa zur Mittagszeit bei vollem Speicher und viel PV Power auf den Panelen – der dürfte ein solches “Balkonkraftwerk” tatsächlich in wenigen Jahren armortisiert haben und künftig sehr viel kleinere Abschläge an den Stromversorger abdrücken… bei uns zeichnet sich bereits nach knapp 2 Wochen Nutzung bereits ein um bis zu 50% reduzierter Netzbezug vom Stromanbieter ab – und der Frühling hat soeben erst begonnen. Natürlich wird es in den “dunklen” Monaten anders aussehen – aber der Spar-Effekt ist eindeutig – selbiges gilt dann entsprechend für den eigenen C02 Abdruck.

Übrigens: Das S2400 hat eine s.g. Off-Grid Steckdose verbaut mit der ihr Geräte mit bis zu 2400W direkt versorgen könnt! In der Preisklasse auch eher eine Seltenheit und z.B. im Garten eine coole Ergänzung… oder auch im Falle eines vollständigen Black-Outs wie zuletzt in Berlin gewiss nicht zu verachten! Mit 2400W können auch leistungsstärkere Geräte eine gewisse Zeit problemlos betrieben werden. Zudem ist das System auch USV fähig und schaltet bei Bedarf binnen 10ms um.
Wir halten euch gern auf dem Laufenden zum S2400 von Sunpura und werden euch nach einer gewissen Nutzungszeit ein weiteres Zwischenfazit geben und sehen ob der positive Ersteindruck bestehen bleibt oder sich womöglich noch der ein oder andere Schatten zeigt. Sprichwörtlich hoffen wir das natürlich nicht, denn bestenfalls überwiegt die Sonne – sowohl auf den PV Modulen als auch in Bezug auf das Sunpura S2400 Balkonkraftwerk aka Kleinstkraftwerk.
Bisher macht das Gerät im Alltag richtig Laune und zeigt das Sparpotential und die Effizienz eines s.g. Balkonkraftwerks welches nicht zwingend immer nur am Balkon montiert sein muss wie in unserem Fall. In den sonnigen Monaten ab Ende März/April bis September/Oktober kann die Grundlast deutlich verringert werden – und durch die Modularität könnt ihr das ganze System eurem persönlichen Bedarf anpassen und können das System an dieser Stelle empfehlen. Die Preise sind zudem absolut wettbewerbsfähig für die gebotene Leistung und Features.
Wir haben auch ein Video zum Gerät erstellt in dem wir es im Einsatz vorstellen – schaut es euch bei Interesse gern hier im Bereich “Videos” oder auch auf youtube an: https://youtu.be/0d4idBNLbDA
Wie steht ihr zum Thema Balkonkraftwerk? Haltet ihr das eher für Spielerei oder habt ihr selbst solche Mini Kraftwerke in Betrieb? Wo liegen Eure Probleme oder auch Tricks&Tipps zur optimalen PV Nutzung? Lasst es uns in den Kommentaren wissen…
